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Ev. Kirchbauverein Welver e.V.
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Die evangelische Kirche St. Albanus und Cyriacus in Welver

 

Baugeschichte :

Eine erste Kirche hat es wahrscheinlich bereits seit dem 8. oder 9. Jahrhundert an dieser Stelle gegeben.

Die Fundamante einer halbrunden Apsis wurden bei Bauarbeiten in den Jahren 1982/84 unter dem heutigen Chorraum entdeckt.

Diese erste, hölzerne Kirche fiel vermutlich einem Feuer zum Opfer. Die Edelleute der Welverburg errichteten um 1200 eine neue Kirche an der gleichen Stelle.

1240 verkauften der Edelvogt Walther und seine Gattin Sophie ihre Besitztümer in Welver, Klotingen und Scheidingen dem Zisterzienserinnenkloster Romersdorpe, jetzt Rommersdorf im Rheinland, und stifteten dem Kloster das Patronatsrecht der Kirche. Mit dieser Stiftung war die Pflicht zur Gründung eines Zisterzienserinnenklosters in Welver verbunden, das um das Jahr 1242 gegründet wurde.

Die Klostergemeinschaft erweiterte in den Jahren 1245 bis 1254 diese bereits bestehende Kirche : der bisherige Turm an der Nordseite wurde abgerissen, der Altarraum wurde nach Osten erweitert und nach Norden und Süden wurden zwei Seitenschiffe angebaut. Dadurch entstand der kreuzförmige Grundriß, wie wir ihn noch heute vorfinden. Gleichzeitig wurde der Kirchenraum erhöht, sodaß eine Zwischendecke eingezogen werden konnte. Im oberen Kirchenraum entstand so ein Nonnenchor. Die Kirche diente fortan sowohl als Klosterkirche wie auch als Pfarrkirche. 1247 wird der erste Pfarrer von Welver urkundlich erwähnt. 


Mit der Reformation wird die Gemeinde 1542 evangelisch, das Kloster bleibt katholisch.
Die vorhandene Zwischendecke ermöglichte eine bikonfessionelle Nutzung : das Kloster nutzte den katholischen Nonnenchor „oben“, die evangelische Gemeinde den Kirchenraum „unten“.

 

Bei dieser Nutzung ergaben sich erhebliche Schwierigkeiten, sodaß um 1694 die katholische Gemeinde mit dem Neubau der St. Bernhard – Kirche begann, die 1701 vollendet wurde. Unter Napoleon wurden 1803 ( Reichsdeputationshauptschluss )  alle kirchlichen Besitztümer eingezogen und so wurde auch das Zisterzienserinnenkloster in Welver 1809 geschlossen.

Die alte Kirche war wohl zwischen 1694 und 1697 eingestürzt – das Gewölbe ging verloren, die Südwand musste neu gemauert werden und eine Flachdecke wurde eingezogen. Auch 1812 bis 1824 war die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen und musste umfassend renoviert werden.

So findet sich hier in Kirchwelver ein einmaliges Bauensemble: im Vordergrund die evangelische Kirche St. Albanus und Cyriacus, dahinter die katholische Pfarrkirche St. Bernhard mit dem ehemaligen Klostergebäude in friedlich – christlicher Eintracht.



Der Altar

Bei den Grabungsarbeiten der Jahre 1982-84 wurde der alte, steinerne Altartisch aus dem 12. Jahrhundert  im Bauschutt gefunden. Daraufhin entschloss man sich, einen Sockel für diesen alten Altartisch zu mauern.

Bis dahin stand in der Kirche ein Holzaltar mit 3 Stufen und einem Seitengeländer. Auf dem neuen Altar steht heute der letzte in Westfalen gemalte Flügelaltar.

 

 

Bis dahin schmückte ein neugotisches Altarbild mit dem "Auferstandenen Christus" den früheren Altar. Dieses Gemälde von Karl Christian Andreae wurde 1869 von Heinrich Brockhaus der Kirche gestiftet. Das Bild ist heute im südlichen Seitenschiffzu sehen.

 

 

Das Altarbild :

Das Altarbild stammt von Mathias Knipping aus der Zeit um 1615 und ist der jüngste Flügelaltar Westfalens. Knipping stammte aus Soest, wo er etwa 1560 geboren wurde.

Es zeigt in der Mitte die Kreuzigung, auf dem linken Flügel die Geburt Christi und auf dem rechten Flügel die Auferstehung.

Die beiden Außentafeln zeigen auf ihren Rückseiten in schöner Grisaille-Malerei die Verkündigung und die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland.

 

 

 

 

 

 

 

Die Predella zeigt eine Darstellung des Abendmahls und die Einsetzungsworte.
In der Darstellung der Einzelbilder des Altars finden wir Anklänge an alte Vorbilder: die Soester Tafelmalerei der Gotik hat fast immer ein großes Kreuzigungsbild in den Mittelpunkt der Altäre gestellt, so auch hier.
Maria unter dem Kreuze zeigt im Ganzen noch gotische Züge. Auf Renaissanceeinflüsse deutet der Christuskörper, während vieles andere schon  barock empfunden ist.
Als besonders harmonisch empfindet man das einheitliche Gesamtbild und die  Farbgebung : die links vorherrschenden blauen Farben, die zu roten Tönen auf der rechten Seite wechseln. Rot und blau galten und gelten als Farben, die das Reich Gottes, seine Liebe, den Himmel und die Hoffnung auf ein ewiges Leben symbolisieren.

Auf dem Kreuzigungsbild - ganz links - hat sich der Künstler Matthias Knipping selbst dargestellt und auf einem Baumstamm mit seiner Signatur verewigt.

Lange Zeit war der Flügelaltar nicht aufgestellt. Erst 1931/32 wurde er wieder zusammengesetzt und restauriert.

 

Die Kanzel:

Nach dem Abbruch der Georgskirche 1822 in Soest kam die aus Holz geschnitzte „Tulpenkanzel“ nach Welver. Ihre Schönheit war lange unter einem braunen Anstrich verborgen.
Bei der Restaurierung 1982-84 wurde die alte Farbgebung wiederhergestellt und die barocke Fassung mit ihren Rokoko-Ornamenten wurde wieder sichtbar. Die Farben der Kanzel bestimmen seither die gesamte Farbgebung innerhalb der Kirche.
Die Kanzel ist mit " Wenckel 1785 " bezeichnet, die Fassung stammt von " Kleine " aus dem Jahr 1786.


Aus einem Palmenbaum wächst der tulpenartige Predigtstuhl. Er ist achteckig, seine Seiten sind mit Rokokoornamenten geschmückt. Nach landläufiger Ansicht soll die den Stamm hinablaufende Eidechse die vor der Predigt fliehende Sünde sein. Der weit ausladende Schalldeckel wird gekrönt von einer Darstellung der Jakobsleiter - in Kreuzform gestaltet - mit dem Auge Gottes im Dreieck darüber.

 

 

Der Taufstein:

Unsere Kirche hat zwei Taufsteine. Der Älteste aus Tecklenburger Sandstein stammt aus der Zeit um das Jahr 1200.
 

Der zweite ist ein großer, aus Holz geschnitzter Taufständer aus der Renaissance, in den die Jahreszahl 1636 eingeschrieben ist.

 

 

 


Die Orgel:  

Sie stammt aus dem ehemaligen Walburgisstift in Soest und wurde in den Jahren 1825 bis 1827 in die Kirche eingebaut.
Die Orgel ist ein Werk des Orgelbauers Patroklus Möller und stammt aus dem Jahre 1733. Sie wurde zunächst über dem Altar - dem Geist der Zeit entsprechend - als "Schauwand" aufgebaut. Eine solche Schauwand findet sich noch in der Evangelischen Pfarrkirche St. Othmar in Dinker. Damit ging jedoch die Kreuzform der Kirche im Innenraum verloren, Altar und Orgel schnitten den Raum in Höhe des Querschiffes ab. Erst 1982 wurde die Orgel restauriert und auf die Westempore an ihren heutigen Platz versetzt.

 

Die Glocken:

Die mittelalterlichen Bronzeglocken wurden im ersten Weltkrieg eingeschmolzen und 1924 durch drei  Klangstahlglocken ersetzt.
Diese Glocken waren schadhaft geworden und mussten ersetzt werden.
Das neue Geläut wurde bei der Gießerei Petit und Gebrüder Edelbrock in Gescher gegossen und im Februar 2008 eingeweiht.

Das Geläut besteht aus 4 Glocken :

Der Größten, der Christus – Glocke, die für die Liebe steht,
der Zweitgrößten, die für den Glauben steht,
die Drittgrößte steht für die Sakramente und
die Vierte, die St. Bernhard – Glocke, trägt das Abbild des katholischen Heiligen mit einer Dornenkrone.

Die neuen Glocken wurden auf das Geläut der katholischen Kirche St. Bernhard abgestimmt, damit beim gemeinsamen Läuten ein harmonisches Klangbild entsteht.

Grabplatten:

Es sind noch sechs alte Grabplatten erhalten, von denen 4 entziffert werden können :

Die Erste ist die des am 15. November 1775 nach 47-jähriger Amtszeit verstorbenen Pastors Johann Dietrich Melchior Brockhaus. Er war der Grossvater des Verlegers und Herausgebers des Großen Brockhaus, Friedrich Arnold Brockhaus.   

Die Zweite ist die der zweiten Ehefrau des Pastors Johann Dietrich Melchior Brockhaus, Maria Elisabeth Henneke, verstorben 1751.

 

Die dritte die des Pastors Justus Ahaswerus, Pastor der Kirche von 1662 bis 1699, gestorben 1699.



 

 

Grabstein Pastor Justus Ahaswerus, Pastor in Welver von 1662 - 1699

 

 [Umschrift]

VIR ADMODUM REVERENDUS ATQUE DOCTISSIMUS
D(OMI)N(US) JUSTUS AHASWERUS REVERENDI MINISTERII SUBURBANI SENIOR, ECCLESIAEQUE
WELVERANAE PASTOR PER 37 ANNOS
OPTIME MERITUS, OBIIT IN CHRISTO BEATE ANNO 1699, D(EN) 3. JANUAR AETAT[E] 62

[Inschrift]

TEXT(US) FUNEBR[IS]
1. REG(UM) 19, V(ERSUS) 4
SUFFICIT MIHI DOMINE,
TOLLE ANIMAM MEAM,
NEQUE ENIM MELIOR
SUM QUAM PATRES MEI

 

 

Der überaus zu verehrende und höchst gelehrte Mann,

der Herr Justus Ahaswerus, der Senior der zu verehrenden Geistlichkeit der Börde
und der höchst verdiente Pastor der Welveraner Kirche für 37 Jahre,
starb in Christus im Jahre des Heils 1699, den 3. Januar im Alter von 62 Jahren.


 Leichentext
1.Könige 19, Vers 4
Es ist genug Herr, nimm meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter.

Grabstein Anna von Plettenberg

Die 1,94 x 1 m große, steinerne Grabplatte der Anna von Plettenberg wurde 1983 anläßlich einer Grabung in der ev. Pfarrkirche und ehemaligen Kirche des Zisterzienserinnenklosters Welver aufgefunden. Die Platte, die von einem umlaufenden, aus Rechteck- und Kreisornamenten gebildeten Band gerahmt wird, trägt vier paarweise untereinander angeordnete, in eine runde Fläche eingetiefte Wappen mit darunter befindlicher Angabe der jeweiligen Adelsfamilien.


Literatur :

Hubertus Schwarz: Die Pfarrkirche St. Albani und Cyriaci in Welver, in: Hubertus Schwartz: Die Kirchen der Soester Börde, Soest 1961

Gabriele Isenberg: Die Stiftskirche zu Welver, in: Soester Zeitschrift, Heft 95 (1983)

Bettina Jost: Kirchwelver  (Vortragsmanuskript 1997)

 
 

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