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Ev. Kirchbauverein Welver e.V.
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Das Projekt Kirchhofsmauer ist fertig !
 
 
vorher   nachher


Der Evangelische Kirchbauverein Welver freut sich nach der Restaurierung des Küsterhauses über ein weiteres, gelungenes Projekt : die Kirchhofsmauer.
 
Das ehrenamtliche Helferteam des Fördervereines der Evangelischen Kirche St. Albanus und Cyriacus um seinen Vorsitzenden Hans Volland hat den einsturzbedrohten Teil der etwa 300 Jahre alten, das Ortsbild Kirchwelvers prägenden Mauer restauriert. Dabei sollte das Erscheinungsbild der ursprünglichen Trockenmauer gesichert und wiederhergestellt werden. Die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde wurden immer streng beachtet. Auch wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass möglichst nur alte Steine neu eingefügt wurden und der natürliche Pflanzenbewuchs auch in Zukunft erhalten bleibt.
 
Dieses komplizierte und kostspielige Projekt wäre ohne vielfältige Hilfe, Spenden und finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen.
 
Tätige Hilfe leisteten die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder Klaus Beckschulte, Sigfried Gendries, Manfred Meissner, Friedhelm Müller, Albert Schulte und Heinz Sievert. Aus der Bevölkerung wurden geeignete Grünsandsteine gespendet, und der Verein hat sich über Geldspenden gefreut, auch von unbekannten Förderern aus Paderborn, Hamm und sogar aus Marburg.
 
Einen besonders wichtigen Beitrag hat die NRW – Stiftung Natur – Heimat – Kultur geleistet :
auf Initiative des Vizepräsidenten des Landtages NRW, Herrn Eckhard Uhlenberg, hat die Stiftung das Projekt mit einem Betrag von 12.100€ bezuschusst.
 
Dieses Geld war notwendig, um die Arbeiten, die vom Kirchbauverein nicht selbst geleistet werden konnten, von einer Fachfirma erledigen zu lassen. Der Steinmetzbetrieb Madeia aus Berlingsen hat die in der Vergangenheit unsachgemäß verschlossenen Mauerfugen geöffnet und nach den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde erneuert. Wie die Mauerkrone vor 300 Jahren ausgesehen haben könnte, zeigt ein etwa 2 Meter langes Referenzstück.
 
Das gesamte Projekt wurde ohne finanzielle Hilfe aus der Kasse der Kirchengemeinde geleistet.
 
Der Ev. Kirchbauverein Welver e.V. dankt allen, die dieses Projekt zum Erfolg geführt haben, herzlich.
 
Aus originalen Dokumenten hat der Historiker Dr. Roland Götz die historische Bedeutung der Mauer erforscht:
 
Kirchhofsmauer in Welver
Die Kirchhofsmauer um die evangelische Kirche in Welver, die zur Zeit restauriert wird, ist wegen ihrer ehemaligen Funktion eine sehr besondere Mauer. Sie markierte den Zuständigkeitsbereich des evangelischen Pfarrers innerhalb des Klosters. Dass sie kurz nach 1720 gebaut wurde, hängt mit den Auseinandersetzungen zwischen der im Zuge der Reformation gebildeten evangelischen Gemeinde und dem katholisch gebliebenen Zisterzienserinnen Kloster zusammen.
 
Nach der Reformation wurde die Klosterkirche (von 1245) von der evangelischen und der katholischen Gemeinde sowie den Nonnen genutzt. Weil das Kloster immer wieder evangelische Gottesdienste verhindert hatte, entließ der brandenburg-preußische Landesherr 1649 den katholischen Pfarrer und übereignete die Kirche samt Friedhof der evangelischen Gemeinde. Dadurch wurde der noch nicht ummauerte Friedhof zum evangelischen Friedhof. Dem verbliebenen Beichtvater des Klosters wurden nur Amtshandlungen bei den Nonnen und dem innerhalb der Klostermauern lebenden Gesinde zugestanden. Der evangelische Pfarrer der Gemeinde Welver erhielt dagegen Sonderrechte in seinem Kirchspiel: Ihm wurde erlaubt, auch den Katholiken außerhalb des Klosters die Sakramente zu spenden. Außerdem mussten die außerhalb des Klosters verstorbenen Katholiken von ihm auf dem evangelischen Kirchhof beerdigt werden, wofür ihm Gebühren zustanden.
 
Gegen diese Benachteiligung wehrte sich das Kloster. Nachdem mehrere Beerdigungen von Verstorbenen aus den Kirchspielsdörfern durch den Beichtvater zu Geldstrafen geführt hatten, provozierte es die Protestanten 1720 erneut: Es verkleinerte den Kirchhof durch neue Bauten, Pflanzungen und „Außgießung siedheißen Wassers, starcke prügeln unter anführung Ihres Beichtigers“. Dabei wurde den Evangelischen auch der Ort, wo sie ihre Totenbahre hatten, „entrissen.“ Dieses Vorgehen führte nicht nur zu einer Anzeige, sondern kurz nach 1720 zum Bau der Kirchhofsmauer. Durch diese wurde einerseits der Bestand des evangelischen Friedhofs gesichert. Andererseits markierte sie einen eigenen Rechtsbereich innerhalb der Mauern des Klosters. Denn nach den geltenden Bestimmungen hätte der Beichtvater Nonnen und im Kloster wohnendes Gesinde innerhalb der Klostermauern, also auch auf dem evangelischen Friedhof beerdigen dürfen. Das wurde durch die Anlage der Kirchhofsmauer strafbar, was ein Vorgang aus dem Jahr 1745 belegt. Das Kloster hatte sich damals „angemaßet, das im Closter verstorbene Gesinde auf dem Lutherischen Kirchhofe zu Welfer zu begraben und dabey Ihre bekandte ceremonien zu machen, ohngeachtet daßelbe selbst einen großen Kirchhof binnen Klosters Bezirck hat, woselbst sonst allezeit die verstorbene Nonnen und domestiquen begraben worden und begraben werden müßen.“ Da der evangelische Kirchhof ein mit einer Mauer abgetrennter eigener Bereich war, hatte der Beichtvater mit den Beerdigungen auf dem evangelischen Kirchhof wiederrechtlich Amtshandlungen außerhalb des Klosters vorgenommen und erhielt dafür eine Geldstrafe.
 
1810 wurden die Sonderrechte abgeschafft, die die evangelischen Pfarrer von Welver hatten.
 
Welver, den 11. August 2015                              Dr. Roland Götz